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Nov 05

Aloha, Bericht zu Hawaii 2017

3,5 Wochen Hawaii sind schon vorbei und es gibt einiges zu schreiben. Ich hoffe doch es wird nicht zu ermüdend. Schon einmal vorweg: das war der Abschluss einer ausgesprochen gelungenen Saison; Qualifikation Hawaii in Malaysia, Qualifikation 70.3 WM Chattanooga (die ich nicht angenommen habe), Qualifikation Xterra WM 2017 Maui und Qualifikation 70.3 WM South Africa 2018. Da das Programm doch ganz ordentlich war hätte mir nicht träumen lassen dass es nochmal hinten raus so gut läuft.

Aber erst mal der Reihe nach.

Die Vorbereitung für den Ironman Hawaii, das Hauptziel dieser Saison, verlief erstaunlich gut bis auf die letzten 2 Wochen da ich mir das Knie verkühlt hatte und eine Woche das Laufen aussetzen musste. Dennoch ging es am 6. Okt recht zuversichtlich Richtung Kona. Wie in 2015 hatten wir wieder ein Cottage etwas abgelegen im kühlen Dschungel am Hang des Mauna Loa. Die letzten Trainingsfahrten und Läufe verliefen etwas ruppig. Dennoch fühlte ich, wie es zum Wochenende hin immer besser wurde und der Jetlag langsam verschwand. Die Woche vor dem Wettkampf war vergleichsweise kühl und es regnete regelmäßig. Die Wettervorhersagen waren auch nicht optimal für den Samstag 14.10..

Am Wettkampfmorgen klingelte der Wecker um 3:45 Uhr. 4:45 Uhr ging es zum Bodymarking. Als die Sonne aufging war der Himmel wolkenlos und ich ahnte schon, dass der Tag vermutlich der heißeste der Woche werden wird.

Nach den letzten Checks am Rad machte ich mich auf den Weg Richtung Schwimmstart.  Die letzten Minuten vor so einem Rennen sind eigentlich die unangenehmsten des ganzen Jahres, das wird sich vermutlich auch nie ändern. Um 7:05 Uhr wurden dann alle männlichen Agegrouper auf die lange Reise Richtung Finishline geschickt.

Der Kampf im Wasser und das Gewühle schienen dieses Mal kein Ende zu nehmen. Dummerweise hatte ich mich inmitten einer Gruppe befunden aus der ich nicht heraus konnte. Ich habe nur versucht nicht die Ruhe zu verlieren. Gefühlt kam mir das Schwimmen ewig vor und der Rückweg war durch den starken Wellengang und der Strömung vom Kopf her nicht ganz einfach. Umso erfreuter war ich über die 56 min, 3 min schneller als 2015. Top, so konnte es weiter gehen.

Nach dem Wechsel fand ich mich in einem großen Pulk wieder, der sich erst auf dem Highway auflöste. Immerhin konnte ich mich so ein wenig zurückhalten. Ich habe mich die ganzen 180 km nur an den Wattzahlen orientiert und versucht in meinem Bereich zu bleiben. Ab Waikoloa Richtung Hawi frischte der Gegenwind richtig auf und hielt bis nach Hawi unermüdlich an. Ich freute mich schon auf den Rückweg. Endlich am Wendepunkt angekommen ging es dann wieder zurück Richtung Kona. Weitaus gemütlicher ging es bis Waikoloa, bis dann auf den letzten 40 km wieder starker Gegenwind aufkam, der den Rad-Schnitt nochmals richtig nach unten drückte und es wurde auch merklich heißer. Ich konzentrierte mich darauf, nicht die Geduld zu verlieren.

Genervt hatte mich dann allerdings, dass ich von mehreren Athleten, im Pulk fahrend, eingeholt wurde. Als ich die Kollegen doch dann im Penalty Zelt stehen gesehen habe, bin ich mit Genugtuung daran vorbei gefahren.

Kurz vor den dem Wechsel zum Lauf schaute ich auf den Radsplit; 4:50 h und noch ca. 5 min bis in die Wechsel Zone, damit war ich zufrieden.

Das Einfahren nach Kona ist Gänsehaut. Man weiß jetzt kann nichts mehr passieren kein Platten, Sturz oder Kettenriss. Und nicht nur die Hitze sondern auch die Stimmung haut einen um.

Jedoch ging nun auch die Misere los.

Gleich beim Absteigen vom Rad fing mein Unterbauch an zu krampfen. Ich entschloss mich vor dem Start zum Lauf noch das Dixi aufzusuchen, leider ohne Erfolg. So verlor ich ca. 2 min. Die ersten Kilometer waren richtig schlecht und so ganz ging das „Bauchkrampf- Problem“ auch nicht weg. Nichts hat geholfen. Schließlich kamen noch diese seltsamen Blasen am Fußballen dazu, die ich bis jetzt nur bei diesem Rennen  bekommen habe und ich weiß nicht an was das liegt. Wie auch immer, es war zumindest richtig heiß und schwül. Die Stimmung war super und ich versuchte mich einfach durch die Stimmung zu motivieren und auf positive Gedanken zu kommen.

An jeder Station wurde eine kurzer Stopp eingelegt um mit Eiswasser herunter zu kühlen. Irgendwann bekam ich nur noch Cola hinunter, das sich später schlecht auf den Energiehaushalt auswirkte. Nach dem steilen und sehr harten Stück die Palani hinauf, ging es Richtung Highway und Energy Lab. Hier konnte ich mich einigermaßen wieder zusammenreißen und es lief ganz gut an dem Wendepunkt. Langsam wurden dann die Beine schwer und auf dem Weg hinaus aus dem Energy Lab ging dann nichts mehr. Ohne „Treibstoff“ waren die letzten Kilometer auf dem Highway nochmals mental und körperlich hart. Kurz vor der Palani schaute ich auf die Uhr; 9:30 h! Ich versuchte etwas anzuziehen. Leider bekam ich dafür sofort die Rechnung mit einem Krampf im hinteren Oberschenkel und nochmals Magenkrämpfe. Schließlich bin ich mit Hilfe der grandiosen Unterstützung meiner Eltern und meines Bruders und seiner Freundin auf den Alii Drive eingebogen und mit 9:39 h über die Ziellinie.

Allgemein bin ich zufrieden mit dem Rennen. Was beim Laufen los war? Ich habe keine Ahnung da ich diese Saison keinerlei Probleme dieser Art hatte. Ob es noch Reisestress, die Hitze, ein Fehler in der Ernährung oder etwas Anderes war? Ohne dieses Handicap hätte es definitiv noch weiter nach vorne gehen können. Beschweren will ich mich aber nicht, da ich dieses Mal gesund und ohne größere Blessuren ins Ziel gekommen und eine Erfahrung reicher bin.

 

 

Von dem Rennen erholte ich mich erstaunlich schnell und ab Montag konnte ich schon wieder mit leichtem Training anfangen. Die zwei Wochen bis zur Xterra WM auf Maui konnte ich mit meiner Familie noch ganz entspannt mit Wanderungen, Schnorcheln und hawaiischen Spezialitäten auf Big Island und Molokai verbringen. Leider hatte das Wetter dieses Jahr einige Kapriolen veranstaltet und so hatten wir auf Molokai 2 oder 3 Tage Starkregen, Überschwemmungen und Stromausfall. Da das Wasser zu dreckig war und die MTB Trails unbefahrbar waren, wurde das Training damit im Wesentlichen aufs Laufen beschränkt. Die Nachrichten aus Maui und dem Xterra-Kurs waren auch nicht gerade aufmunternd: geschlossener unbefahrbarer Kurs sowie starker Wellengang und auch hier Stromausfall.

Kurz vor dem Wettkampf wurde das Wetter dann glücklicherweise doch spürbar besser. Freitags bin ich dann nach Kapalua geflogen und bin gleich am Morgen bei den deutlich höheren Wellen als in Kona noch Probe geschwommen. Dann ging es zur Registrierung und das Leihrad abholen; Ein „Fully“ leider viel zu schwer für so ein Rennen. Ich habe noch versucht es irgendwie umzutauschen, jedoch ohne Erfolg. Somit musste ich mich damit zufrieden geben. Ungewohnt weich war die Hinterbaudämpfung, daran musste ich mich nun die 2 verbleibende Tage gewöhnen. Feststellen musste ich leider auch, dass das Rad zum Beschleunigen eine einzige Katastrophe war. Zum Glück aber nicht bergab; Note 1 für den Spaß-Faktor. Die Welcome-Party und zugleich Einstimmung auf das kommende Event fand am Freitagabend im exklusiven Ambiente des Ritz-Carlton statt.

Und schon war Sonntag und Showdown.

Meine Eltern sind extra noch von Molokai für einen Tag nach Maui geflogen, um zuzuschauen und zu coachen. Eine richtig coole Aktion. Zusätzlich als kleines „Goody“ gab es eine Doppel-Wertung zu gewinnen. Jeweils der beste Amateur sowie Profi- Athlet M/F der an beiden Weltmeisterschaften (dem Ironman in Kona und der Xterra WM auf Maui) teilnimmt gewinnt mit der schnellsten kombinierten Zeit 4 Nächte in einem „Outrigger Resort“ auf Maui. Mit nur 45 sek Vorsprung wurde am Wettkampfmorgen dies als spannendes kleines internes Duell zwischen mir und dem letztjährigen Gewinner verkündet. Das war natürlich für mich ein kleiner zusätzlicher Ansporn. Allerdings habe ich noch nie so kurz nach einem Langdistanzrennen ein weiteres Rennen bestritten, geschweige denn hatte ich den Eindruck diese Wettkampfbelastung zu verkraften.

Um 9 Uhr fiel der Startschuss der Profis. Danach folgten die Alterlassen-Athleten. Von Anfang an hieß es Vollgas geben. Mit der Brandung und dem Wellengang bin ich gut klarzukommen. Nach 750 m kam der erste Landgang und es ging auf die deutlich schwerer zu schwimmende zweite Runde mit mehr Wellengang. Auf den letzten Metern hat mich dann eine Welle für eine gefühlte Ewigkeit unter Wasser gedrückt. Als ich wieder die Orientierung hatte, war ich auch schon am Strand mit einer super Schwimmzeit von ca. 21 min.

Etwas benommen rannte ich Richtung Wechsel-Zone und auf den landschaftlich sehr schönen Radkurs mit einer einzigartigen tollen Streckenführung. Von jetzt an ging es 7 Meilen bergauf. Einen derartigen Puls hatte ich noch nie bei einem Rennen. Die Beine waren von Anfang an zu und das schwere Rad hat noch den Rest gegeben. Auf dem ersten kurzen Flachstück konnte ich mich soweit erholen, dass der Puls runter ging. Überholt wurde ich vor allem von Athleten mit deutlich leichteren Carbon-Rädern. Das Radfahren war mental ein auf und ab. Bergan hätte ich liebsten das Rad stehen gelassen, da ich merkte dass ich mit einem leichteren Rad weniger Kraft hätte investieren müssen. Bergab hat es dafür umso mehr Spaß gemacht. Der Kurs war technisch nicht sehr anspruchsvoll, aber vor allem auf den letzten Meilen durch die vielen kleine und steile Anstiege und Haarnadelkurven doch sehr Kräfte zehrend.

Nach 1:55 h stieg ich mit 3 min Vorsprung, in Führung liegend um die „double Wertung“, vom Rad.

Erstaunlich gut fand ich in den Lauf hinein, obwohl es gleich zu Beginn steil bergan ging. Die ersten 3 Meilen bergauf gingen schnell herum und ich sammelte viele Athleten wieder ein. Auf den letzten 3,5 Meilen bergab musste ich dann aufpassen keine Krämpfe in den Beinen zu bekommen. Dennoch, die Laufstrecke durch den Dschungel und über die Hindernisse hat Spaß gemacht. Das letzte Stück am Strand entlang war für jeden noch einmal ein absoluter Kraftakt, bis es dann schließlich hinauf in den Zielkanal ging.

Das Duell um das Double war sehr knapp. Jedoch konnte ich es mit nur 14 sek Vorsprung beim Xterra und 40 sek beim Ironman auf Hawaii mit knapp einer Minute für mich entscheiden. Das hat die ganze Sache recht spannend gemacht. Geliebäugelt hatte ich damit, das zu gewinnen aber niemals damit gerechnet, dass es klappen könnte. Auch Dank meiner Eltern, die mir die Abstände an der Strecke durchgegeben haben. Das erste Mal Weltmeister das ist doch was 🙂

Es waren definitiv 2 gelungene Rennen. Keines einfach und ich hatte mit meinen Problemen zu kämpfen, dennoch bin ich mit den Ergebnissen zufrieden.

Hawaii war einmal mehr eine grossartige Erfahrung, vor allem abseits des sportlichen. Grandiose Natur, freundliche Menschen und geniales Essen. Ich hoffe, ich darf in nächster Zukunft noch einmal dorthin.